"Xantener Köpfe"
(präsentiert vom Niederrheinischen Alterumsverein Xanten)
Stephan Beißel

Stephan Beißel wurde am 21. April 1841 in Aachen geboren und starb am 31. Juli 1915 im holländischen Valkenburg. 1864 erhielt er die Priesterweihe und lebte von 1871 bis 1878 als Jesuit in Münster, Holland, England und Frankreich. Er war Mitarbeiter an den "Stimmen aus Maria Laach". In dieser Reihe erschien auch 1883 bis 1887 das dreibändige Standardwerk "Die Bauführung des Mittelalters - Studie über die Kirche des hl. Victor zu Xanten (Bau - Geldwerth und Arbeitslohn - Ausstattung)". Diesem Werk über St. Victor in Xanten folgten weitere zu den Trierer Kirchen, der Geschichte der Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutschland, über mittelalterliche Altäre, zur Verehrung Marias im Mittelalter und in neuerer Zeit, sowie eine umfangreiche Reihe über die Tage des Kirchenjahres. Stephan Beißel beschäftigt sich jedoch mit dem Xantener Dom nicht nur als Bauwerk, sondern es finden sich auch Abhandlungen über: "Die Colonie des Trajan in Xanten" - "Das alte Birten" - "Das Marterthum des hl. Victor und seiner Genossen" - "Die hl. Helena als Stifterin der Victorkirche" - "Xanten als Klein=Troja" - "Der hl. Norbert" - "Die Verfassung des Xantener Kapitels" - "Die Victortracht von 1464" - "Münzen in Xanten" - "Xantener Preise für Nahrungsmittel, Kleidung und Wohnung von 1350 bis 1560" - "Die Löhne der Meister der Victorkirche und ihrer Gesellen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts"

Jürgen Rosen
Josef Steiner

Dr. Josef Steiner wurde in Xanten als Sohn des königlichen Posthalters geboren und studierte Medizin in Würzburg und Berlin. Am 15. August 1863 promovierte er an der Fredericia Guilelma Universität in Berlin zum Dr. med. et chir. Im Jahre 1864 nahm er als Assistenzarzt an der Schlacht bei Königgrätz in Böhmen teil. 1869 ließ er sich als Arzt in Xanten nieder; in der Schlacht bei Sedan 1870 wirkte er als Sanitätsarzt. So wohnte er auch der Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 bei. Wieder in Xanten widmete er sich neben der Tätigkeit als Arzt seinen besonderen Interessen als Historiker und Archäologe. Er gehört zu den Mitbegründern des Niederrheinischen Altertumsvereins Xanten im Jahre 1877. Bei seinen um 1878 begonnenen Ausgrabungen entdeckte er die schon lange gesuchte Colonia Trajana vor den Toren der Stadt Xanten. Im Jahre 1891 stieß er auf die Überreste des römischen Amphitheaters, die er in vollem Umfange freilegte. Über seine Ausgrabungen verfaßte er zahlreiche Berichte, die in den Bonner Jahrbüchern veröffentlicht wurden. Im Jahre 1900 gab Dr. Steiner als Ergebnis seiner jahrelangen Studien im Stadt- und Stiftsarchiv die "Xantener Zeitgeschichte" heraus, in der die besonderen Ereignisse der Stadt Xanten von 16 vor bis 1900 nach Christi Geburt festgehalten sind. Ihm ist es auch zu verdanken, daß der Niederrheinische Altertumsverein im Jahre 1910 im Klever Tor ein Museum errichten konnte.

Max Reichelt
Heinrich Hollands

In seinem Testament vom 30. Mai 1876 vor Notar Busch zu Xanten vermachte Heinrich Hollands sein gesamtes bewegliches und unbewegliches Vermögen den Armen der Stadt Xanten. Dieses Vermögen wurde in der Urkunde mit 115.311,50 Goldmark bewertet. Ferner verfügte er, daß noch vor seiner Beisetzung die Armen der Stadt besondere Zuwendungen erhalten sollten. Weiter ließ er im Testament festhalten, daß weder Anzeigen noch Totenzettel nach seinem Tode herauszugeben waren, lediglich eine Veröffentlichung im "Boten" und in der "Kölnischen Volkszeitung". Die Stadtverordnetenversammlung hatte jährlich die Rechnungsprüfung über die Verwaltung seines Vermögens vorzunehmen und dem Rat zur Genehmigung vorzulegen. Da es heute "die Armen" gemäß der Stiftung nicht mehr gibt, verwendet die Stadt Xanten die Früchte seines auch heute noch ansehnlichen, im wesentlichen in Grundbesitz bestehenden Vermögens für gemeinnützige Zwecke, die somit nahezu allen Bürgern zugute kommen. Im Sterberegister der Stadt Xanten vermerkte der damalige Bürgermeister G. Schlehs als Standesbeamter, daß der fünfundachtzig Jahre alte zu Xanten geborene Rentner Johann Heinrich Theodor Hermann Hollands, kath. Religion, am 22. März 1883 unverheiratet zu Xanten verstorben sei.

Max Reichelt
Günter van Endert

Günter van Endert wurde am 21. Mai 1884 in Kaiserswerth geboren. Nach Studium und Militärdienst ernannte man ihn 1920 zum preußischen Landrat des ehemaligen Kreises Moers. In der Zeit des passiven Widerstandes anläßlich der Ruhrbesetzung wurde er 1923 von der belgischen Besatzungsbehörde seines Amtes enthoben und "ausgewiesen". 1926 konnte er nach Ende der Besetzung zwar sein Amt als Landrat wieder einnehmen, mußte aber bereits 1933 nach der sogenannten Machtübernahme einem national-sozialistischen Nachfolger weichen. In Xanten gehörte er nach dem 1. Weltkrieg zu den Mitbegründern des Xantener Dombauvereins. Als Vorsitzender des Arbeitsausschusses rief er zur Aktion "Rettet den Xantener Dom" auf. Aus Anlaß der 700-Jahrfeier der Verleihung der Stadtrechte an die Stadt Xanten erhielt er am 29. Juli 1928 das Ehrenbürgerrecht. Auch nach 1945 gehörte Günter van Endert zu den ersten, die den Dombauverein in Xanten wieder belebten. Erneut stellte er sich als Vorstandsmitglied zur Verfügung. Van Endert verstarb am 29. Juli 1958 als Senatspräsident des Oberverwaltungsgerichts des Landes Nordrhein-Westfalen i. R. in Düsseldorf.

Max Reichelt
Josef Hehl

Josef Hehl wurde am 2. März 1885 in Mühlheim-Speldorf geboren. Sein Vater war Ziegelbäcker. Neben seiner Arbeit bei Krupp und Thyssen zog es ihn immer wieder in eine Ziegelei. Hier formte er die ersten Figuren aus Lehm. Er orientierte sich an der niederrheinischen Töpferkunst, die er in einem Krefelder Museum sah. Hehls erste Werkstatt war in Krefeld-Bockum von 1912 bis 1928; dazwischen lagen Krieg und Gefangenschaft. Am 1. August 1928 verlegte er seine Werkstätte für keramische Kunst nach Xanten. Er bezog einWohnhaus in der Nähe der Alten Brauerei, das ihm vom Kreis Moers zur Verfügung gestellt worden war. Der flämische Dichter Felix Timmermanns schrieb nach einem Besuch in Xanten über Hehl: "Er ist ein zu unbekannter Künstler. Ich sah dort Gruppen und Figuren, die so ursprünglich erfaßt waren, von solch tiefem menschlichen Begreifen, daß ich nicht verstehen kann, daß dieser Mann so unbekannt geblieben ist. Hehl ist ein großer Künstler, der sich mit Herz und Seele eingefühlt hat in den Menschen, in sein Leid und seinen Schmerz, in seine Arbeit und Frömmigkeit und dies auf meisterliche Art auszudrücken vermag". 1952 gingen 544 Werke des Künstlers an die Stadt Rheinhausen. Hehl und seine Frau erhielten dafür eine monatliche Rente auf Lebenszeit. Am 5. September 1953 verstarb Josef Hehl in Xanten.

Gerda Hussmann
Emil Barth

Emil Barth wurde am 6. Juli 1900 in Haan geboren. 1936 erschien sein erster Roman "Das verlorene Haus", 1939 "Der Wandelstern" und 1951 "Enkel des Odysseus". Der Nachkriegszeit galt er als Lyriker, Erzähler und Essayist. Zwischen 1936 und 1946 hat er seine Hymnen auf Xanten geschrieben - zunächst auf die unzerstörte Stadt: "Wo ist es gelegen, das süße Land, das uns wohltut? Hier wachset im Weizenfelde die Rade blau." Aber es heißt auch schon in Vorahnung: "Oh ihr Stunden, da hart in das Lieder liebende Ohr der Vorlärm scholl des zukünftigen Krieges". 1946 ergänzt er diese ahnungsvollen Zeilen: "Ich komme im Wind Allerseelen, zu grüßen den rüstigen Leichnam der hingemarterten Stadt". Im März 1944 hatte Barth das noch unzerstörte Xanten verlassen: "...noch einmal die Blicke zurück auf den Traumschatten der Doppeltürme und im Vorüberfahren das sehnlich-unstillbare Ansichnehmen der heranschwimmenden vertrauten Bilder, von denen einzelne wie rein lyrische Elemente, andere dann wieder gleich Fruchtböden voll epischen Samen sind". Ende Februar 1945 erfährt er, was Xanten geschehen ist: "Als ich einen vom Niederrhein kommenden Soldaten nach dem Schicksal von Xanten frage, erwiedert er kaltblütig: Xanten liegt platt!". 1946 schließt Bart seine Xantener Hymnen mit der "Totenwache": Abwärts schon rollt die abendländische Sonne, - sie, die einst morgendlich jung diese Landschaft berührt, - diese Erde geweckt, aus rühmlichen Trümmern und Grüften - neu zu blühn; ach, noch ich sah sie herrlich: ich fand sie - goldener Stille noch schön wie ein Nachsommergarten". Emil Barth starb am14. Juli 1958 in Düsseldorf.
Jürgen Rosen

Guido Lancelle

Guido Lancelle wurde am 22. April 1888 als zwölftes von dreizehn Kindern der Eheleute Hauptmann Emanuel Lancelle und seiner Ehefrau Janny. geb. Quirin (Vater war Notar in Xanten) geboren. Benachteiligt durch Taubheit und Sprachbehinderung erklärt sich seine Zuwendung zur Malerei. Anläßlich einer Ausstellung seiner Bilder im Hotel Hövelmann 1926 schreibt der Bote für Stadt und Land: "Guido Lancelle ist ein Künstler von großem Gefühl, der es versteht, die Sehnsucht nach der großen Ruhe zu befriedigen. Die Bürger Xantens müssen diesem Künstler dankbar sein für das Geschenk, das hier gegeben wird." In Xanten kennt man seine Zeichnungen von Mühlen, Stadtmauertürmchen, alten Bauerngehöften und den Siegfriedkopf über Xantens Stadtbild. Wo sich einst an der Verbindung von der Niederstraße zur Scharnstraße der große Gebäudekomplex des Lancelle'schen Besitzes einschließlich der Pferdeställe befand, steht heute ein Hotel. Guido Lancelle starb am 18. September 1936 bei einem tragischen Unglücksfall. Durch seine Taubheit hörte er nicht die Warnzeichen eines herannahenden Zuges an einem unbeschrankten Bahnübergang in Birten. Er war wie üblich auf dem Fahrrad mit seinem Malutensilien im Rucksack unterwegs. Er wurde Opfer seiner schweren Behinderung.

Ruth Gatermann
Franz Bens

Franz Maria Heinrich Bens wurde am 21. Juli 1863 in Straelen am Niederrhein geboren und am 15. Juni 1889 im Hohen Dom zu Münster zum Priester geweiht. In verschiedenen Gemeinden am Niederrhein war er als Kaplan tätig, bis er am 7. August 1906 Pfarrer von St. Pantaleon Lüttingen wurde. Im Jahre 1928 zum Dechant des Dekanates Xanten ernannt, mußte er aus Gesundheitsgründen bereits 8 Jahre später in den Ruhestand treten. Bis zu seinem Tode, am 27. Dezember 1943, wohnte er auf Haus Erprath in Xanten; seine Ruhestätte ist auf dem Friedhof in Lüttingen. Über seine Tätigkeit als Pfarrer hinaus wirkte er als stiller Gelehrter und Heimatforscher. Seine historischen Studien galten insbesondere dem St.Viktor-Stift zu Xanten und seiner Pfarrgemeinde Lüttingen. In seinen "Geschichtliche Nachrichten über die Insel hinter Lüttingen und den Rheinlauf unterhalb des Fürstenberges" finden vornehmlich seine topographischen Erkenntnisse über die ursprüngliche Lage Lüttingens ihren Niederschlag. Die Ausführungen in "Die Hofrechte von Lüttingen und ihre Bedeutung für die Urgeschichte des Kirchenspiels" - gemeint ist der der Benediktinerabtei St.Pantaleon zu Köln gehörende Hof - befassen sich mit der rechtlichen und wirtschaftlichen Struktur eines Lehnshofes im Mittelalter. Auch in der Festschrift "700 Jahre Stadt Xanten" im Jahre 1928 finden wir seinen Beitrag über die Straßennamen unserer Heimatstadt.

Max Reichelt
Otto Marx

Otto Marx wurde 1887 in Düsseldorf geboren und studierte von 1906 bis 1914 in der Kunstakademie seiner Heimatstadt, wo gerade die Landschaftsmalerei im Zentrum stand. Dieses führte ihn wie auch Theo Champion zum Neuen Naturalismus. Die Zerstörung seines Ateliers in Düsseldorf 1943 machte Vynen für den Künstler zum Dauerwohnort, den er aus zahlreichen Besuchen in der Vorkriegszeit kannte. Er hat gegen die Auskiesung des Landes um Xanten den idyllischen Reiz dieser Gegend malend und zeichnend bewahrt. Was der Kies aus der Eiszeit freigab, war seine andere Leidenschaft. Wichtige Teile dieser Sammlung paläontologischer Knochen konnten nach Erwerb durch den Altertumsverein in die Sammlungen des Regionalmuseums in Xanten eingebracht werden. In einem Ausstellungskatalog von 1975 wird als der geistige Vater des Malers Otto Marx der Franzose Paul Cezanne genannt: "Von ihm lernte er vor allem den formvereinfachenden klaren Bildaufbau, die Strukturierung von Farbflächen ...". 1975 stellte das Regionalmuseum in Xanten Otto Marx mit 86 Arbeiten vor. Es waren ausschließlich Landschaften, allenfalls Tiere und da vor allem Kühe, Pferde und Schafe. In wenigen Bildern erschienen Zeugnisse eines damals noch verbreiteten Wirtschaftszweiges, Fischer mit ihren Booten und Netzen.

Jürgen Rosen
Heinrich Hegmann

Heinrich Hegmann wurde am 4. April 1885 auf dem Tellemannshof am Burenend in Wardt geboren. Nachdem er schon von 1931 bis 1933 Abgeordneter im Preußischen Landtag gewesen war, stieß er in 3. Reich auf Ablehnung und schied bis 1945 aus der Arbeit in der Öffentlichkeit aus. In den letzten Krie gstagen verlor er an der Brücke von Remagen seinen einzigen Sohn. Die Rheinische Post schrieb am 4. April 1985: "Mit Konrad Adenauer verband ihn nicht allein die Tatsache, daß sie sich schon auf Tellemannshof in Wardt gemeinsam Gedanken über die politische Zukunft Nachkriegsdeutschlands gemacht hatten, sondern daß sie beide - der Alte aus Bonn und der Alte vom Tellemannshof - die Fähigkeit besaßen, durch eindringliche Reden, die stets mit etwas Humor gewürzt waren, ihre Zuhörer mitzureißen." Heinrich Hegmann wurden nach 1945 zahlreiche Ämter der Landwirtschaftskammer, des Kreis- und Landtages anvertraut. Nach ihm wurde die ehemalige Landwirtschaftsschule in Xanten "Heinrich-Hegmann-Schule" genannt. Er starb am 6 November 1970.

Ruth Gatermann