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Aus "Die Bauführung des Mittelalters - Studie über die Kirche des hl. Victor zu Xanten (Bau - Geldwerth und Arbeitslohn - Ausstattung)" von Stephan Beissel S. J., 2. Auflage, Herder'sche Verlagshandlung, Freiburg im Breisgau, 1889 (Seite 7 bis 21)
Die
Thebäische Legion unter Diokletian und Maximinian
Gegen Ende des
dritten Jahrhunderts war Castra Vetera ein Trümmerhaufen, aber vor
seinen zerfallenenThoren blühten die neue Colonie des Trajan und der
Ort Birten. Diokletian saß auf dem Throne des Augustus. Um die Last
der Geschäfte zu theilen, die das weite Reich von allen Seiten brachte,
nahm er 286 den Maximinian als Mitregenten an. Der neue Cäsar war
seiner Geburt nach ein illyrischer Bauer, der auch auf dem Throne seine
Abstammung nicht verläugnen konnte. Unter dem Purpur blieb er ebenso
wild und roh, wie er als Knabe gewesen. Das zeigte sich kurz nach seiner
Erhebung. Er stand mit einem großen Heere in Octodurum, dem heutigen
Martinach im Kanton Wallis. Nicht weit vom Hauptheere entfernt lag in Agaunum,
dem heutigen St. Maurice in demselben Wallis, eine Legion, deren Soldaten
Thebäer hießen, weil sei aus dem Oriente gekommen waren. Ein
großes Opfer sollte dem Beginne des Krieges und dem Aufbruch des
Heeres vorangehen. Aber die thebäische Legion bestand aus Christen.
Darum erklärte ihr Anführer Mauritius im Namen aller, sie würden
nicht zum Götzenopfer erscheinen. Wüthend befahl der Tyrann,
die Legion zweimal zu decimieren. Als sie standhaft blieb, ließ er
alle ihre Soldaten tödten. Einzelne Abtheilungen der Legion waren
aber schon rheinabwärts gezogen. Der Cäsar sandte ihnen Boten
nach, mit dem Befehle, zu opfern oder zu sterben. Die christlichen Helden
zogen ein ruhmvolles Martyrium diesem Leben vor, und so starben größere
oder kleinere Schaaren der Thebäer in Solothurn, Trier, Bonn, Köln
und
Xanten. Über
die Xantener Martyrer erzählt die Tradition der Kirche und der Gegend:
Der
Martyrertod des hl. Viktor und seiner Genossen
"St. Viktor kam
mit seinen Genossen rheinabwärts und schlug sein Lager auf in den
Wiesen zwischen Birten und Xanten. Dort ereilten ihn die Boten des Maximinian.
Sie führten ihn in's Amphitheater, das neben der jetzigen Kirche von
Birten erhalten ist, und forderten ihn auf, den Götzen zu opfern.
Als er sich dessen weigerte, wurde er niedergemacht mit all seinen Genossen,
deren Zahl sich auf 360 belief. Die Leichen der Martyrer wurden in einem
Sumpf versenkt, der im Mittelalter "Maar" hieß, und zwischen der
Märtpforte (Martyrerpforte) und dem Marsthore der Stadt Xanten lag.
Dort blieben sie nicht lange ungeehrt. Sie wurden erhoben und ehrenvoll
begraben. Die Gebeine des hl. Viktor kamen in die Kirche von Xanten. Die
Kirche von Birten erhielt die Reliquien des hl. Malosus, des vornehmsten
Gefährtendes hl. Viktor. Die übrigen Soldaten wurden in der Victorskirche
beigesetzt."
Zur
Kritik an der Überlieferung
Die Kritik hat
sich nun nicht damit begnügt, einzelne Theile dieser Erzählung
anzugreifen. Nein, sie hat die Axt an die Wurzel gelegt und das ganze Martyrium
der thebäischen Legion zuerst in Frage gestellt und dann geläugnet.
Da nicht nur unbedeutende oder veraltete Schriftsteller gegen die alten
Überlieferungen vorangegangen sind, sondern selbst Stolberg sich zu
solchen Behauptungen hinreißen ließ, ist es nötig, hier
I. die Wahrheit des Martyriums der thebäischen Legion im Allgemeinen
zu beweisen und dann II. zu zeigen, wie insbesondere das Martyrium des
hl. Viktor zu Xanten hinlänglich beglaubigt ist.
I. Alle Einwürfe
gegen die Wahrheit des Martyriums der thebäischen Legion lassen sich
auf drei Sätze zurückführen. Die Gegner sagen:
1. Es ist nicht
nur unwahrscheinlich, daß orientalische Soldaten als Christen im
Abendlande gemartert wurden, sondern noch unglaublicher, daß eine
ganze Legion so hingeschlachtet wurde.
2. Der Bericht
über ihr Martyrium ist spät und er enthält Thatsachen, die
mit der Zeitgeschichte unvereinbar sind.
3. Ältere
gewichtigere Schriftsteller wissen nichts von dem Martyrium, welches doch
eine so auffallende Thatsache ist, daß alle Welt davon reden mußte.
Prüfen wir jeden dieser Einwürfe.
Zur
Existenz einer christlichen römischen Legion
1. Die Existenz
einer thebäischen Legion ist unanfechtbar, weil die Notitia dignitatum,
ein römischer Staatskalender aus der Zeit nach 425, nicht nur eine,
sondern mehrere thebäische Legionen so aufführt, daß dieselben
offenbar schon zur Zeit des Diokletian und Maximinians bestanden haben
müssen. Nun weiß aber jeder, wie leicht die Römer ihre
Legionen aus einem Theile der Welt in einen anderen beriefen. Sie führten
dieselben je nach Bedürfnis aus dem Abendland in's Morgenland, und
ebenso aus dem Orient in den Occident. Es kann sich also nur darum handeln,
ob es glaublich ist, daß unter Maximinian eine ganze Legion, die
in die Schweiz beordert wurde, christlich war. Man braucht aber nur die
Kirchengeschichte des Eusebius und vor allem den Anfang des achten Buches
zu lesen, um zu erkennen, wie weit um 300 das Christentum im Oriente verbreitet
war. Es blühte dort so, daß ganze Landstriche fast nur von Christen
bewohnt waren. Wurden in solchen Gegenden Soldaten ausgehoben, so konnte
ein christlicher Anführer es ohne viele Mühe so einrichten, daß
nur Glaubensgenossen in sein Legion kamen. Die Decimierung und Niedermetzlung
einer ganze Legion aber war bei den Römern keineswegs unerhört.
Sie paßt durchaus zum Charakter des rohen Maximinian. Konnte man
in
Rom unter den Augen des Senates 4000 Soldaten mit dem Beile hinrichten,
weil sie bei der Belagerung von Regium ihren Auftrag überschritten
und die vornehmsten Bewohner getödtet hatten, wer wird es dann unglaublich
finden, daß ein Maximinian 6000 Soldaten niedermetzeln ließ,
die sich seinem Befehle nicht fügten und seine Götzen verachteten?
Unvereinbarkeit
der Überlieferung mit der Geschichte?
2. Durch den
Nachweis, daß das Martyrium einer christlichen Legion unter Maximinian
nichts Unwahrscheinliches enthält, ist ein Haupteinwurf gegen die
ältesten Berichte bei Seite geschafft. Nun behaupten aber die Gegner
weiter, diese Berichte enthielten noch viele andere Angaben, die sich mit
der Geschichte nicht vereinigen ließen. Sie berufen sich indeß
dann immer auf Stellen, die nur in der Überarbeitung der ältesten
und echten Acten sich finden. Es liegt aber, wenigstens für diese
Arbeit, kein Grund vor, diese Überarbeitungen zu vertheidigen oder
für sie einzustehen, indem uns die alten Acten genügen. Erst
die interpolierten Acten und die späteren Erzählungen bringen
das Martyrium der Thebäer mit dem Aufstande der Bagauden in Gallien
in Verbindung, indem sie erzählen, die Bagauden seien gallische Christen
gewesen, welche von römischen Steuerbeamten zur Verzweiflung getrieben
wurden und in einem blutigen Aufstande das letzte Mittel zur Rettung zu
finden wähnten. Maximinian habe in Octodurum seine Soldaten aufgefordert,
den Götzen zu opfern, um so dem Kaiser ihre Treue zu beweisen und
dann erst gegen die rebellischen Christen verwandt zu werden. Mauritius
und seine Legion aber habe sich geweigert, an den heidnischen Opfern Theil
zu nehmen, und auch nicht gegen Christen ausrücken wollen, die schuldlos
verfolgt waren.
Man mag über
diesen Bericht denken, was man will. Die Wahrheit des in Rede stehenden
Martyriums wird dadurch nicht angefochten, weil die ältesten und echten
Acten von dem Auffstand der Bagauden schweigen.
Diese ältesten
Acten sind vor 454 geschrieben, also nur ungefähr 160-170 Jahre nach
dem Ereigniß, das sie berichten. Ihr Verfasser ist ein durchaus glaubwürdiger
Mann, der hl. Eucherius, welcher 454 als Bischof von Lyon starb. Eucherius
versichert zudem, er verdanke seine Nachrichten einem älteren Zeugen,
dem Bischof Isaak von Genf, der sich auf einen dritten noch älteren
Gewährsmann bezogen habe, auf den Bischof Theodor, der um das Ende
des vierten Jahrhunderts starb.
3. Haben wir
so ein durchaus achtungswerthes Zeugniß für das Martyrium erwiesen,
so ist dadurch dem Einwurf aus dem Stillschweigen der Schriftsteller die
Spitze abgebrochen. Man kann ihn aber auch direct entwerthen und widerlegen.
Du Bourdieu hat sich die Sache leicht gemacht. Er zählt die besten
Schriftsteller des vierten und fünften Jahrhunderts auf, indem er
in rhetorischen Phrasen und siegbewußter Emphase fragt, warum dieser
und jener vom Martyrium der Thebäer nichts meldet, um sich dann am
Ende zu rühmen, er habe den Katholiken mehr als 6000 Martyrer mit
einem Schlage genommen. Es wäre verlorene Mühe, solchen Spiegelfechtereien
Fuß für Fuß zu folgen. Für den unparteiischen Forscher
kann höchstens das Stillschweigen des Eusebius und des Sulpicius Severus
in Betracht kommen.
Wer aber bedenkt,
daß Eusebius außer dem Buche über die Martyrer von Palestina
noch ein anderes Buch über die alten Martyrer schrieb, das verloren
gegangen ist, der wird sich nicht wundern, daß er in seiner Kirchengeschichte
von den Thebäern nicht ausdrücklich redet. Im Buche über
die Martyrer waren sie zu behandeln, und wie kann man behaupten, daß
er dort von ihnen nichts sagte? Ein indirectes Zeugniß für den
hl. Mauritius und seine Legion bietet er aber auch in seinen kirchengeschichtlichen
Werken, weil er in ihnen öfter wiederholt, daß die große
Verfolgung des Diokletian und Maximinian bei den Soldaten begann.
Das
Stillschweigen des Sulpicius Severus
Die schärfste
Waffe der Gegner ist das Stillschweigen des Sulpicius Severus, das Stolberg
mit Nachdruck in's Feld führt, indem er dem du Bourdieu nachschreibt:
"Sulpicius Severus,
dessen Gewicht in der Kirchengeschichte so groß ist, der ein älterer
Zeitgenosse des Eucherius war und wie dieser in Gallien lebte, sagt nicht
allein nichts von dieser Legion, sondern bemerkt ausdrücklich, daß
von dem Ende der valerianischen Verfolgung an bis zur Zeit, da unter Diokletian
und Maximinian sich die bitterste Verfolgung erhoben, fünfzig Jahre
verstrichen seien."
Leider braucht
man dem ausgezeichneten Verfasser nichts Anderes zu erwidern, als das,
was die Bollandisten schon hundert Jahre vorher dem du Bourdieu antworteten,
von dem Stolberg sich irreleiten leiß. Er hat den Sulpicius Severus
entweder nicht gelesen oder nicht verstanden, denn dieser fährt nach
den von Stolberg angeführten Worten so fort: "Es gibt ausgezeichnete
Berichte über die Martyrer jener Zeit (des Diokletian und Maximinian),
die ich meinem Werke nicht beifügen wollte, damit es nicht zu umfangreich
würde." Spielt Sulpicius Severus da nicht deutlich auf Eucherius an,
den Stolberg "seinen ältern Zeitgenossen" nennt?
Außer Eucherius,
dem hl. Bischof von Lyon, der wie erwähnt sich auf die Bischöfe
Isaak von Genf und Theodor beruft, berichten über die Thebäer
Gregor von Tours, Venantius Fortunatus, Walafried Strabo und nach ihnen
eine unabsehbare Reihe mittelalterlicher Schriftsteller. Die ältesten
und besten Martyrologien nennen ihre Namen, das alte gothische Missale
hat ihre Messe. Wie kann man es wagen, sich auf das Stillschweigen der
Schriftsteller zu berufen, um eine historische Thatsache, die so beglaubigt
ist, zu läugnen? Und wenn kein Schriftsteller von den Thebäern
redete, das Kloster Agaunum, welches schon 515 vom Könige Sigismund
erneuert wurde und sich immer als Hüter ihrer Reliquien betrachtete,
wäre schon allein eine genügende Auctorität, zumal da sein
Zeugniß von so vielen der ältesten Kirchen in allen Theilen
Europa's gestützt wird, die entweder auf den Namen thebäischer
Martyrer geweiht sind oder ihre Reliquien verehren und ihr Fest feiern.
Beweis
für den Martyrertod des hl. Viktor zu Xanten
II. Ist somit
das Martyrium von Agaunum als umumstößliche Thatsache gesichert,
so ist damit eine feste Grundlage gewonnen, auf die sich ein erster Beweis
für den Martyrertod des hl. Victor zu Xanten stützen kann. Er
ist indirect und läßt sich in folgender Weise zusammenfassen:
An das Martyrium der thebäischen Legion zu Agaunum schließt
sich die Erzählung von Martyrien einzelner Abtheilungen der Legion
in der Weise an, daß die von Solothurn, Trier, Bonn und Köln
eng mit Xanten verknüpft sind. - Nun sind aber die vier Martyrien
von Agaunum, Solothurn, Trier und Köln sicher beglaubigt. Also verdienen
die Localtraditionen über das Martyrium von Xanten allen Glauben und
dasselbe ist festzuhalten, so lange es nicht durch klare Gründe positiv
als unglaublich erwiesen wird. - Schon der hl. Eucherius verbindet das
Martyrthum der hhl. Victor und Ursus, die in Solothurn starben, mit dem
der Niedermetzlung der Legion in Agaunum. Gregor von Tours bezeugt, daß
der hl. Gereon und seine Genossen, die in Köln verehrt wurden, "aus
jener bekannten heiligen thebäischen Legion seien, die für den
Namen Jesu gemartert wurde". Alle alten Martyrologien legen die drei Martyrien
von Bonn, Köln und Xanten auf den 8.-10. Oktober und betonen mehr
oder weniger deutlich ihre Zusammengehörigkeit. Später wurden
alle drei von der Kölner Kirche auf den 10. Oktober vereint. Der Cistercienser
Helinand bezeugt um 1200:
"Im heiligen
Köln ist die Sitte alt geworden, die hhl. Martyrer Gereon (von Köln),
Victor (von Xanten) und Cassius mit Florentius (von Bonn) sammt ihren
Genossen, die durch ein dreifaches Martyrium gekrönt sind und die
an drei Orten in würdiger Weise begraben wurden, an e i n e
m Tag zu verehren; denn jene sind in der Freude ihres Lohnes nicht
getrennt, die in der Standhaftigkeit eines ruhmvollen Leidens nicht voneinander
abwichen."
Die Trierer Traditionen
nennen ihre ersten Martyrer immer thebäische Soldaten des hl. Mauritius.
Der Zusammenhang der fünf Martyrien ist aber nicht nur historisch
durch Zeugnisse der Schriftsteller, sondern auch, wenn man sich so ausdrücken
darf, geographisch bezeugt. Es liegen nämlich die Orte Agaunum, Solothurn,
Trier, Bonn, Köln und Xanten in fast grader Linie neben dem Rheinlaufe,
so daß sie den kürzesten Landweg von der Schweiz zur Rheinmündung
oder vom Orient nach England bezeichnen. War die Legion, wie viele behaupten,
aus dem Orient berufen, um gegen die Bagauden zu kämpfen, und wurde
sie, weil der Bagaudenaufstand rasch niedergeschlagen war, nach England
bestimmt, wo Carausius sich als Gegenkaiser aufgeworfen hatte, dann waren
Solothurn, Trier, Bonn, Köln, Xanten die Städte, durch die ihr
Vortrab und ihre Quartiermacher ziehen mußten. Selbst die Zahlen
der Martyrer an den verschiedenen Orten sprechen für ihre Zusammmengehörigkeit.
Es sollen nämlich gestorben sein:
in Xanten 330
- 360
in Köln
318
in Bonn
8
in Trier
660.
Auf
dem Marsche von Agaunum nach Xanten
Wie kommt es,
daß die Zahlen so stimmen, daß auf Xanten und Köln je
eine Cohorte kommt, und daß Trier, die Hauptstadt der Rheingegenden,
zwei Cohorten hat? Das gibt doch, wenn man alle anderen Quellen hinzunimmt,
einen neuen Wink, daß es sich um das Martyrerthum einer auf dem Marsche
befindlichen Legion handelt.
Wenden wir uns
nun zum Untersatz, in dem aus den sechs Martyrien vier als besonders klar
beglaubigt hervorgehoben werden. Die historische Sicherheit des Hauptmartyriums
in Agaunum ist oben klar erwiesen. Für das Martyrium in Solothurn
steht der hl. Eucherius als unabweisbarer Zeuge ein. Das Kölner Martyrium
ist im sechsten Jahrhundert durch Gregor von Tours und Venantius Fortunatus,
den Bischof von Poitiers, sowie durch die ganze Tradition der großen
Kölner Kirche gewährleistet. Trier kann seine Traditionen bis
in's vierte Jahrhundert herab durch Urkunden und Denkmäler erhärten.
Sind aber so diese vier Martyrien kritisch so weit erwiesen, als ein vernünftiger
Forscher, der alle Umstände in Erwägung zieht, verlangen kann,
warum sollte man dem Xantener mit Zweifelsucht und Unglauben entgegentreten?
Kamen die Soldaten dem Rhein entlang bis Köln, dann war Xanten die
nächste große Garnisonstadt, und kein unparteiischer Gelehrter
kann es von vorneherein unwahrscheinlich finden, daß auch dort thebäische
Soldaten für den Glauben starben.
III. Der indirecte
Beweis gibt wenigstens ein negatives Resultat. Er zeigt, daß man
nicht schwierig sein darf, das Xantener Martyrium anzunehmen, und daß
man an dasselbe glauben muß, sobald nur einige stichhaltige positive
Gründe beigebracht werden können. Solcher Gründe gibt es
aber viele in den Xantener Traditionen. Diese Traditionen sind also hier
darzulegen und zwar so, daß die legendarischen Ausschmückungen
vom historischen Kern, auf den es hier allein ankommt, abgeschieden werden.
Zeugen
der Überlieferung des Xantener Stiftes
Die letzten Zeugen
der Überlieferungen des Xantener Stiftes sind Pels und de Sandt, die
im vorigen Jahrhundert lebten. Ihre Erzählung ist indessen nichts
anderes, als eine Wiederholung der Legende, die der Kanonikus Philipp Schön
in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts schrieb. Schön hat,
wie es scheint, die Erzählung des Cisterciensers Helinand (cr. 1200)
benutzt. Helinand selbst konnte die Traditionen des Xantener Stifts leicht
kennen; denn das Kloster Kamp, das seinem Orden angehörte, lag nicht
nur nahe bei Xanten, sondern war auch mit dem Victorstifte verbrüdert.
Man braucht freilich nicht zu läugnen, daß auch Helinand nicht
als Historiker auftritt, sondern als Legendenschreiber. Den historischen
Kern, auf den es ankommt, gibt Otto von Freising (gest. 1158), indem er
schreibt: "Auch Victor tödtete (der Verfolger) mit 360 Genossen in
der Stadt Troja, die jetz Xanten heißt." Etwas ausführlicher
findet sich die Thatsache in poetischer Fassung vonbeschrieben im weißen
Buche, das aus der Zeit Otto stammt und die Xantener Fest-Antiphon bringt.
die lautet:
"Böse Männer
nahten sich dem hl. Victor, der mit seinen Genossen über das Meer
gekommen war; dem Rheine entlang zogen sie hinab und kamen gerades Weges
zu den Gemarkungen von Troja (Xanten). Da breiteten sie ihre Zelte aus
in lieblichen Wiesen. Hinterlistiger Weise wurden sie getödtet. Dreihundert
und dreißig wurden enthauptet. Ihre Leiber warf man weg an sumpfige
Orte."
Dieser poetische Erguß liturgischer Begeisterung ist die älteste Nachricht über die Geschichte des hl. Victor. Ein Brand hat 1109 alle frühern Manuskripte des Stiftes vernichtet; da aber offenbar die Antiphon älter ist, als das Chorbuch, in welchem sie erhalten ist, reicht sie über den Brand hinaus in höhere Jahrhunderte. Lassen uns die Handschriften im Stiche, wenn wir alte Nachrichten suchen, so ist eine Reihe von Zeugnissen vorhanden, die auf anderem Wege tiefer hinabführt in das Dunkel der Geschichte. Sie beginnt mit den Protokollen und Nachrichten über Auffindung und Erhebung der Reliquien der thebäischen Soldaten. Da bei solchen Funden jedes Wort der Augenzeugen vom größten Werth ist, und ihre Berichte durch Umschreibung so leicht verfälscht werden, so scheint es am besten, hier die Worte der Quellen in treuer Übersetzung zu geben, und zwar in aufsteigender Zeitfolge. Der jüngste Fund wurde im Anfange unseres Jahrhunderts gemacht und ein Augenzeuge berichtet über ihn also:
Quellen
im Xantener Stift
I. "Als im Jahre
1813 ein Theil des Chores in unserer Kirche von neuem gepflastert und etwa
10 Schuh (Fuß) tief (zwischen den Stallen, hinter dem Pfarraltare)
in der Erde absichtlich gegraben wurde (um zu versuchen, ob da vielleicht
ein Verbürgniß könnte angebracht sein), entdeckte man Gräber
von großen tuffsteinernen Platten von Mannsgröße; auch
noch in der nämlichen Tiefe Stücke von römischen Dachziegeln.
Die Deckel der Gräber waren davon weggenommen und die Gräber
mit Erde und Schutt gefüllt, welches auf den Gedanken führte,
daß sie in früherer Zeit müssen geöffnet worden sein.
Die Steine zweier Gräber wurden herausgenommen, ohne daß irgendwo
eine Inschrift oder ein Zeichen hätte entdeckt werden können.
(Vielleicht waren diese Gräber auch ehedem Ruhestätten der heiligen
Martyrer, aus denen die Gebeine sind ausgenommen worden.)
II. "1641. Als
das Grab des ehrwürdigen und edeln Herrn, des Decans Kaspar von Ulfft,
seligen Andenkens, zu Füßen des Altares des hl. Matthias (von
oben im südlichen Seitenschiffe) nach Mittag hin ausgegraben wurde,
sind drei Sarkophage gefunden worden, welche Gebeine oder Reliquien enthielten.
Einer enthielt einen ganzen Menschen ...... Da die Herrn Kapitulare der
Meinung waren, die Überreste seien wahrscheinlich von der Gesellschaft
des hl. Viktor, so ließen sie dieselben unberührt. Mit Rücksicht
auf die gefundenen Sarkophage und weil man von den Vorfahren, vom Decan
Hatzfeld und von anderen gehört hatte, unter den Fundamenten der früheren
(romanischen) Kirche, vorzüglich in der Nähe der (jetzigen) Säulen,
ständen noch mehr solcher Sarkophae, so wurde um diese Zeit durch
Kapitelsbeschluß festgesetzt, von jetzt an sollten für die in
Zukunft sterbenden Decane keine neuen Gräber mehr gegraben werden,
sondern ihre Leichen sollten in den alten Gräbern ihrer Vorfahren
beigesetzt werden."
III. Im Jahre
1464 wurde die enge romanische Thüre erweitert, die nördlich
vom Lettner aus dem Seitenschiff in den Umgang führte. Als man deshalb
neben den Thürpfosten die alte Mauer abbrach, fand man in ihr an jeder
Seite ein künstliches Behältniß und in jedem Behältniß
einen Armknochen und kleinere Gebeine, die so sorgfältig an diese
Orte hingelegt waren, daß der Decan Heimerik sie als Reliquien erklärte
und auf den Hochaltar brachte, wie er selbst in seinem Buche als Augenzeuge
erzählt.
IV. 1397. "Als
das alte Fundament der Xantener Kirche an der Stelle geöffnet wurde,
wo die vier Pfeiler des Mittelschiffes (westlich vom Lettner) erbaut werden
sollten, fand man dort zwei Leiber, die nebeneinander gelegt waren."
V. "Als im Jahre
1284 der östliche Theil der Xantener Kirche, der wegen seines Alters
dem Einsturze nahe war, bis zum Boden niedergelegt wurde, fand man durch
Gottes Vorsehung unter den weiten und festen Fundamenten, wohin man gewöhnlich
Leichen weder begraben konnte noch durfte, einen edlen Schatz heiliger
Körper, der so groß war, daß man auf engem Raum und in
kurzer Zeit ungefähr 17 Martyrerleiber aufdeckte mit sicheren Zeichen
und klaren Beweisen (martyrum corpora certis intersignis et evidentibus
indiciis). Sie wurden in festlicher und frommer Weise erhoben und in Kasten
gelegt. Die Häupter, welche man unversehrt haben konnte, wurden mit
geziemendem Schmucke in einem besonderen Schreine bewahrt. So erfuhren
wir, daß die Berichte unserer Altvorderen wahr seien, die zu versichern
pflegten, von Geschlecht zu Geschlecht habe man erzählt: es sei eine
Überlieferung, daß die hl. Helena, die erste Gründerin
der Kirche von Xanten, diese heiligen Leichen so unter den Fundamenten
beigesetzt habe, wie sie gefunden wurden. Für den Glauben an diese
Überlieferung und Erzählung kommt als ein bedeutendes Beweismittel
der Umstand hinzu, daß, als vor einigen Jahren im westlichen Theile
der genannten Kirche ein neuer bequemerer Bau, der dritte, nämlich
ein neuer Chor, erbaut wurde, alsbald auch dort, als die Fundamente gegraben
und die Erde ausgeworfen wurde, mehrere Körper der Heiligen (vgl.
unten Nr. VII.) in ähnlicher Weise gefunden wurden. Da nun sowohl
im oben erwähnten vordern (östlichen), als auch im andern (westlichen)
Theile der Kirche so viele Leiber der Martyrer gefunden wurden, so
kann niemand zweifeln, daß auch an den Orten, die in der Mitte liegen,
die übrigen Leiber der heiligen Martyrer in Frieden begraben ruhen,
die offenbar werden sollen zu der Zeit, welche der göttlichen Vorsehung
gefällt."
Gräber
unter dem Xantener Dom
VI. "Als in dem
älteren Archive, d.h. in der alten Sacristei, der alte Boden des Belages
öfters tief eingefallen und die so entstandene Einsenkung wiederholt
ausgefüllt worden war, und sich doch nie so füllen ließ,
daß nicht immer die aufgeschüttete Erde sich setzte, sondern
eine sichtbare Mulde blieb, wurde endlich auf den Rath einiger Grund und
Boden rings umher bloßgelegt. Da fand man gleich, unter dem aufgedeckten
Bodenbelage verborgen, zwei Leiber, die als heilige Martyrer erkannt wurden
durch sichere Zeichen (per certa signa), indem sie nämlich mit Zierraten
und silberner Umhüllung umgeben waren (cum ornamentis et involumentis
argenteis). Sie waren in einen Steinsarg, wie in ein Bett gelegt. Beide
Leiber wurden mit Anstand und Ehren in einen Schrein des Xantener Chores
gebracht."
VII. "Man fand
aber auch durch Gottes Rathschluß vor einigen Jahren am 16. März
den Leib eines anderen Martyrers, der in Purpur gekleidet war, Sandalen
trug und dessen Haupt abgeschnitten war (purpura vestitum, cum caceis,
capite praeciso). Unser hochwürdigster Vater in Christo, der Erzbischof
Philipp von Köln (1168-1191), hat ihn erhoben, wie es sich ziemte.
Wir aber, die damals in Xanten wohnten und die wir die Blutspuren, durch
welche die Haare dieses Martyrers zusammenklebten, in seinem Grabe sahen,
schreiben dies für euch, die in Zukunft kommen werden, damit ihr glaubet,
wenn ähnliche Ereignisse berichtet werden, die wir weder sahen noch
meldeten."
VIII. 1129 wurden
die Gebeine des hl. Victor in den Schrein gebracht, der noch jetzt auf
dem Hochaltar der Xantener Kirche steht.
IX. 864. Als
die Normannen Xanten überfielen und die Kirche des hl. Victor anzündeten,
"da bestieg der Propst eilig ein Pferd, stellte den Leib des hl. Victor
in seinem Schreine vor sich und brachte ihn, von einem einzigen Priester
begleitet, bei Nacht unter den größten Gefahren und nur durch
Hilfe der Verdienste des Heiligen nach Köln".
Kritik
an den Berichten
Es ist klar,
daß es einer ungläubigen Kritik nicht schwer fallen kann, einige
dieser Berichte zu bemäkeln und anzufechten. Es kommt aber hier gar
nicht auf den einen oder anderen Fund an. Selbst wenn man das eine oder
andere Mal die Berichterstatter der Leichtgläubigkeit beschuldigen
dürfte, so würden sich doch aus dem Ganzen die folgenden Thatsachen
als unanfechtbare Wahrheit ergeben: Unter den Fundamenten und in den Mauern
der alten Victorkirche, die 1263 schon baufällig war, fand man menschliche
Überreste. Nach einer alten Überlieferung des Xantener Stiftes
wurden sie als Reliquien der Genossen des hl. Victor angesehen. Die kostbaren
Umhüllungen, die Spuren gewaltsamen Todes und der Ort, an dem man
die Reste fand, erschienen allen als eine wichtige Bestätigung ihrer
Überlieferungen. Das Kapitel zweifelte nicht im mindesten an der Wahrheit
der Erzählung, daß die Erbauer der alten Victorkirche die gefundenen
menschlichen Leiber als Reliquien dort beigesetzt hatten, wo sie nach und
nach gefunden und wieder erhoben wurden.
Es fragt sich
nun, wann sind die Reliquien unter die Fundamente und in die Mauern gelegt
worden?
Da schon im 12.
Jahrhundert solche Funde als auffallende und wunderbare Ereignisse erwähnt
werden, können die Reliquien nicht beim Neubau, der dem Brande von
1109 folgte, an ihre Stelle gekommen sein. Wären sie erst nach 1109
dort niedergelegt worden, dann hätten die Kanoniker sich nicht wundern
können, am Ende des 12. Jahrhunderts die Reliquien zu finden. Man
muß also wenigstens bis zur Erneuerung der Kirche hinaufgehen, welche
den Normannen-Einfällen des neunten Jahrhunderts folgte. Diese Erneuerung
befaßte sich aber höchst wahrscheinlich nur mit der Wiederherstellung
des verbrannten Holzwerkes und erstreckte sich schwerlich auf die Grundmauern
der Kirche. Es bleibt also nichts übrig, als die Beisetzung der in
Frage stehenden Reliquien in die Zeit der Gründung oder in die eines
vollständigen Neubaues der Victorkirche hinaufzurücken, die jedenfalls
weit vor das neunte Jahrhundert zu setzen ist. Dadurch ist aber mit der
Reihe der Berichte über die Auffindung der Reliquien ein monumentaler
Beweis für das Martyrium des hl. Victor in Xanten beigebracht, dessen
Fäden noch über das neunte Jahrhundert hinaufreichen. Nun berichtet
Gregor von Tours von einem noch ältern Fund, der uns bis in die Zeiten
des Martyriums führt.
Der Vater der
fränkischen Geschichtsschreibung erzählt zuerst, wie der Bischof
Eberegisilus von Köln dadurch geheilt wurde, daß er auf sein
krankes Haupt Staub legte, der aus der Kirche und vom Grabe des hl. Gereon
kam, die vor der Stadt köln stand. Er bemerkt ausdrücklich, daß
der hl. Gereonmit seinen Genossen zur bekannten thebäischen Legion
gehörte, und beginnt dann seinen Bericht über die Auffindung
der Gebeine des hl. Mallosus, der einer der vornehmsten Genossen des hl.
Victor war. Der Inhalt seiner Worte läßt sich kurz so zusammenfassen:
Der hl. Martyrer
Mallosus hatte in der Stadt Birten eine Kapelle, aber sein Grab war unbekannt.
Eberegisilius baute nun neben die Kapelle eine Basilika. Kaum war sie vollendet,
da fand man durch göttliche Offenbarung die Reliquien des hl. Mallosus
mitten in der Apsis seiner alten Kapelle sieben Fuß tief unter der
Erde. Sie wurden feierlich erhoben und in der neuen Basilika beigesetzt.
Die ganze Erzählung schließt dann mit den Worten: "Man erzählt,
auch der Martyrer Victor sei dort begraben, aber wir hörten noch nicht,
ob seine Gebeine gefunden seien."
Victor
und Mallosus
Aus diesen Worten
folgt offenbar, daß zur Zeit des Gregor Victor und Mallosus bekannt
waren, und daß alle seine Leser wußten, daß sie zusammen
gehörten. Nun hatte der hl. Mallosus, der doch nur ein Genosse des
hl. Victor war, schon im sechsten Jahrhundert eine Kapelle, die der Bischof
von Köln erweiterte, und in dieser alten Kapelle ruhten seine Reliquien
schon so lange, daß man den Ort derselben vergessen hatte. Sie waren
also lange Zeit vor dem sechsten Jahrhundert dort beigesetzt, und zwar
in der Apsis, wo nie andere Leiber als die der Heiligen hingelegt wurden.
Mallosus ward also lange vor dem sechsten Jahrhundert als Martyrer in Birten
verehrt, und zwar deshalb, weil er, wie Gregor von Tours sagt, bei Birten
für den Glauben starb. Sein Martyrthum ist also klar bewiesen, und
damit ist ein wichtiges Zeugniß für das Martyrium des hl. Victor
gewonnen.
Es darf nun freilich
hier nicht verschwiegen werden, daß die sonst so zuverlässigen
Verfasser der Acta Sanctorum die Geschichte des hl. Victor verwirren und
durch haltlose Hypothesen die Verwirrung, die sie schufen, zu lösen
suchen. Sie behaupten, aus dem Berichte des Gregor von Tours folge, daß
Victor und Mallosus in Birten begraben gewesen seien. Da aber die Kapelle
den Namen des hl. Mallosus getragen habe, so erhelle daraus, daß
Mallosus der vorzüglichere Martyrer gewesen sei. Allmählich habe
jedoch die Verehrung des hl. Victor die seines Genossen verdrängt.
Die alte Kirche des hl. Mallosus sei zur Victorkirche geworden, und die
alte Stadt Birten habe später den Namen Xanten erhalten.
Wer wird es glauben,
daß die Kirche des hl. Mallosus in Birten sich in eine Kirche des
hl. Victor von Xanten verwandelt habe! Nur die falsche Voraussetzung, daß
Birten und Xanten ein und derselbe Ort sei, hat die gelehrten Forscher
zu solchen Auseinandersetzungen verleiten können. Birten war immer
ungefähr eine halbe Stunde von der Colonie des Trajan entfernt, die
Xanten oder Sancten, d.h. ad sanctos martyres, genannt wurde, seitdem die
Kirche des hl. Victor und seiner Gesellen ihr Mittelpunkt geworden war
und zahllose Pilger herbeizog.
Wäre der
hl. Victor in der Kapelle des hl. Mallosus begraben gewesen, dann hätte
man ihn in der Apsis neben den Reliquien seines Genossen finden müssen.
Gregor von Tours sagt nur, der hl. Mallosus sei bei Birten gemartert und
in der Birtener Kapelle beigesetzt gewesen. Die Erwähnung des hl.
Mallosus und der Stadt Birten mußte bei allen kundigen Lesern die
Frage veranlassen: wie steht es mit dem hl. Victor und seiner Kirche in
Xanten? Darum fügt Gregor seinen Schlußsatz bei, in dem er auf
diese Frage antwortet: "Ich weiß es nicht, denn ich hörte nichts
davon." Mußte denn Gregor, der so weit von Xanten wohnte, alles wissen,
alles gehört haben? Ob die Reliquien des hl. Victor vor oder nach
denen des hl. Mallosus erhoben wurden, darüber sind keine Nachrichten
erhalten. Aber das ist nach dem Gesagten klar, daß vor dem sechsten
Jahrhundert in der Gegend von Xanten und Birten die Verehrung beider heiligen
Martyrer verbreitet war, und daß alle glaubten, sie hätten dort
für Christus ihr Blut vergossen.
Viktor
und Bonifatius
So groß
war schon im achten Jahrhundert die Verehrung des hl. Victor von Xanten,
daß schon zu Lebzeiten des hl. Bonifatius (gest. 755) vor den Mauern
der Stadt Mainz eine Kirche zu Ehren des hl. Victor erbaut war. In ihr
betete der heilige Apostel der Deutschen, da beteten seine besten Schüler
Lullus und Rabanus zum heiligen Anführer der Thebäer. Willigis
baute neben die Kirche ein Kloster, in dem das Leben des hl. Bonifatius
geschrieben wurde. Aus allem folgt also, daß das Martyrium des hl.
Victor historisch feststeht, und daß der Martyrer Victor die Fahne
Christi bis an die Grenzen der Niederlande trug, als Vorläufer des
hl. Bonifatius, des Apostels der Deutschen, der Friesland durch seinen
Martyrertod dem Christenthume eroberte.